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Über Wiener Retro-Jeans
und des Kanzlers Knitterfalten

Vorbereitung auf den Europakonvent in Berlin

Da waren sie nun endlich: Die heißersehnten Zusagen für den Europakonvent. Der ein oder andere hatte sicher schon nicht mehr daran geglaubt, aber dann war der Brief mit dem positiven Inhalt doch noch ins Haus geflattert. Es war zwar erst Mitte März, aber sofort begannen die Vorbereitungen für den langerwarteten Event in Berlin.

Mit Hilfe von Emails und des Forums wurde lebhaft kommuniziert, die billigsten Bahnpreise diskutiert, Fahrtrouten abgesprochen, Mitfahrer gesucht, sich über die nötigen literarischen Vorbereitungen ausgetauscht und nach einem geeigneten Dresscode gefahndet.

Ja, sie haben richtig gelesen, Dresscode und nein, wir wollen nicht zur Oscarverleihung nach Hollywood und nochmals nein, wir waren in Punkto Kleidung nicht einer Meinung.

Es begann mit der simplen Frage eines jungen Mannes aus dem schönen Wetzlar, der schon ein wenig Erfahrung mit Veranstaltungen dieser und ähnlicher Art gesammelt zu haben schien, ob denn ein Sakko von Nöten sei. Und schon war es da: Das Schreckensgespenst von Jacketts und Hosen mit Bügelfalten (oder doch eher Knitterfalten? - dazu aber später mehr).

Aber es blieb nicht bei den oberen Körperregionen. Der nächste Autor im Forum ging noch eine Stufe tiefer: Heißt es nicht immer, die Schuhe eines Menschen verraten sein Innerstes? Also lieber "die gepflegte Variante" oder doch lieber "ganz normale Straßenschuhe"?

Tja, Fragen über Fragen, bis dann ein Österreicher das Wort ergriff - und ganz klar Stellung bezog: Erst fragte er sich, ob er denn im falschen Film gelandet sei, um dann in aller Deutlichkeit seine "verwaschene(n) Retro-Jeans" ins rechte Licht zu rücken. Getreu dem Motto, dass die inneren Werte mehr zählen (sollten) als der äußere Eindruck, schätzte er den Präsidenten des Europäischen Konvents und früheren französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing und dessen, um mit seinen Worten zu sprechen, "Hofstaat" so ein, dass dieser seine Meinung (allerdings ist jetzt die zu politischen Themen gemeint) wohl trotz T-Shirt und eben den vorgenannten Jeans zur Kenntnis nehmen würde.

Wie in einer guten Diskussion üblich entkräftete er im Anschluss an seine eigenen Argumente die der Gegenseite, indem er auf eine Umfrage des "renommierten" Blattes "Bild der Frau" zum "Best-angezogensten-Politiker" verwies. Darin wurden nämlich Kanzler Schröders Oberschenkel-Knitterfalten, die angeblich vom langen Sitzen stammten, genau unter die Lupe genommen und anschließend scharf kritisiert. Als messerscharfe Schlussfolgerung stellte unser Retro-Wiener dann zwei Möglichkeiten zur Auswahl: "Zieh Dich gut an, und steh die ganze Zeit oder zieh an was Du willst und setzt Dich."

An sich ein schönes Schlusswort, hätte sich da nicht noch jemand aus der Slowakei zu Wort gemeldet. Eben dieser "Störenfried" nahm uns nämlich die Illusion, dass unser Berlinabenteuer nur ein gemütlicher Urlaub werden würde. Wegen seiner extra für den Konvent gekauften Hose hoffe er, dass wir nicht allzu viel sitzen würden, weil er sonst das Falten-Schicksal des deutschen Kanzlers teilen werde. Was soll ich sagen, der "Dresscode-Battle" wäre sicher noch tagelang weitergegangen, hätte sich nicht der Organisator des Konvents, also quasi der Häuptling persönlich, zu Wort gemeldet. Jeder solle sich gut anziehen, aber so dass er sich wohl fühle, verkleiden sei also nicht nötig.

Nun ja, ob dass so eine geschickte Aussage war? Es soll ja Leute geben, die sich in Jogginghose und Badelatschen am wohlsten fühlen und "gut" ist ja nun auch sehr relativ, aber ich hier ja nicht den Teufel an die Wand malen und Berlin soll ja eine sehr tolerante Stadt sein. Welches Fazit ziehen wir also aus dieser Diskussion, die oftmals auch zum Schmunzeln einlud? Wir dürfen anziehen was wir wollen und uns auf eine interessante und vor allem kleidungstechnisch bunte Zeit in Berlin freuen!

Ach ja, erwähnenswert ist wohl auch noch, dass sich an dieser hitzigen Diskussion nur Männer beteiligt haben. Und dann heißt es immer, wir Frauen würden so ewig lange vorm Spiegel stehen und könnten uns nicht entscheiden, was wir anziehen…tsss. Womit ein weiteres Vorurteil wohl endgültig aus der Welt geschafft wäre.

In diesem Sinne, man darf gespannt sein auf Berlin!

Karina Giershausen

Die Orginalbeiträge (einschließlich einer Fortsetzung!) sind im Forum nachzulesen.

Letzte Aktualisierung: 24.05.2005
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