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Sonntag, 6. April 2003

Von einer Idee zum Europakonvent


Kristina Notz und Frank Burgdörfer

Die Idee zum "Europakonvent junger Bürgerinnen und Bürger" kam Frank Burgdörfer [Interview] im Sommer 2002. Ihm waren die Klagen von Teilnehmern anderer Jugendkonvente zu Ohren gekommen, parteipolitisch organisierte Jugendliche hätten die vorangegangenen Konvente dominiert. Frank schrieb das Konzept zu einem Konvent, an dem sich das ändern sollte. Das "Centrum für angewandte Politikforschung" (CAP) unterstützte seine Ideen und auch die Bundesregierung gab im Dezember 2003 ihr abschließende Okay. "Von da an musste alles schnell gehen", sagt Frank. Er brauchte Helfer. Für den inhaltlichen Teil fand er sie beim 'Juniorteam Europa'. Aber da gabs ja auch sehr viel zu organisieren.

Er rief Kristina Notz an, die als wissenschaftliche Hilfskraft am CAP in München arbeitet. Beiläufig hatte er ihr in der Teeküche einmal von seinen Plänen erzählt."Ich wusste davon nichts mehr als er mich wieder darauf angesprochen hat", erinnert sich Kristina, "doch er sagte mir, ich hätte mich für das Projekt damals begeistert." Sie sagte zu und kam "wie die Jungfrau zum Kind" zum Europakonvent junger Bürgerinnnen und Bürger in Berlin. Ihre Zusage bescherte ihr in der Schlussphase der Organisation 15 Stunden-Tage an denen sie Politiker anschrieb, Kontakt zu den Teilnehmern hielt und Texte redigierte. "Frank und ich schrieben uns nachts um drei noch Emails", sagt sie. Der Arbeitsrhythmus zweier Nachtarbeiter erlaubte einen produktiven Arbeitsablauf. Im Verlauf des Projektes verstärkte dann noch die Berlinerin Birgit Jöbst das Organisationsteam.

Innerhalb eines Monats gingen rund 350 Bewerbungen für die wenigen Plätze ein, die dem Europakonvent zur Verfügung standen. Die Auswahl trafen die Teamleiter der einzelnen Arbeitsgruppen, die sich Ende Februar in München zu einem ersten Koordinierungstreffen zusammengefunden hatten. "Die Auswahl der Teilnehmer war keine leichte Aufgabe", sagt Florian, Teamleiter der Arbeitsgruppe Umgebung.

Für die Organisatoren begann in der Folge die richtige Arbeit. Sie schrieben Politiker an, suchten Unterkünfte, vermittelten Fahrgemeinschaften und beantworteten unzählige Email-Anfragen von Teilnehmern. Am Sonntagnachmittag begrüßte Frank die Teilnehmer freudig, die er nun endlich persönlich kennen lernen durfte. "Die Namen aus den Emails bekommen ein Gesicht", sagte er.

Von Montag an spielen die Teilnehmer selbst die Hauptrollen im Europakonvent. In fünf Arbeitsgruppen einigen sie sich auf gemeinsame Papiere, die sie am Mittwoch abschließend im Plenum besprechen werden. Die Sitzung leitet dann ein gewähltes Präsidium. "Das soll der Konvent der Teilnehmer werden", sagt Frank. "Es liegt an ihnen, was sie daraus machen. Wir Organisatoren stellen nur den Rahmen zu Verfügung."

Andre Tauber

 

Interview mit dem Projektleiter des Europakonvents junger Bürgerinnen und Bürger, Frank Burgdörfer


Projektleiter Frank Burgdörfer

Doku-Team: Zu dieser Veranstaltung sind jetzt über einhundert junge Menschen gekommen, aus den unterschiedlichsten Gründen. Was ist das für eine Mischung, was ist das Besondere an ihnen?

Frank: Das sind sehr verschiedene Leute und genau das ist auch die Absicht. Es sind Auszubildende da, was sehr ungewöhnlich ist, es sind ein paar Zivis dabei, Bundeswehrler. Wir waren auch froh über jede Bewerbung von einem Maschinenbauer oder Architekten. Wir haben sehr viele Schüler und darüber bin ich auch sehr glücklich. Die sprechen eine einfachere Sprache, die sagen was sie meinen. Die große Überraschung war, dass es leichter war, die Leute aus Osteuropa zu gewinnen als sie in Deutschland zu finden. Das es zum Beispiel auch leichter ist, ausländische Studenten in Deutschland anzusprechen, als Deutsche. Wir haben sogar zwei Teilnehmer aus Kaliningrad. Die werden den anderen Dinge verdeutlichen, Dinge sagen können, die wir überhaupt nicht wahrnehmen.

Doku-Team: Ich nehme an, dass es ganz bewusst ein Konvent "junger Bürgerinnen und Bürger" ist. Was stört Dich an "Jugendlichen"?

Frank: "Jugendliche" ist ja schon mal ein Begriff, den kaum jemand für sich selbst benutzt, sondern damit umschriebt man eher Andere. Und die einzigen, die stolz darauf sind, Jugendlich zu sein, und diese zu vertreten sind genau die, die in irgendwelchen Organisationen nach oben gekommen sind. Außerdem hat der Begriff "Politische Jugendveranstaltung" für mich so eine "als ob"-Charakter. Hier soll nicht die Stimmung aufkommen, wir reden hier als Leute, die froh sind, dass man ihnen auch mal zuhört. Wo man dann hinterher sagt: Na, die haben zwar keine Ahnung, aber sie haben sich Mühe gegeben.

Doku-Team: Was erwartest Du von den Teilnehmern?

Frank: Ich möchte den Leuten gern klar machen: Das ist Euer zu Hause, das hier gebaut wird. Die Leute, die da jetzt an diesem Haus arbeiten, die sind Architekten und Statiker oder sonstwas, die können von ihren Details viel mehr wissen als ihr. Ihr müsst auch überhaupt nicht in der Lage sein, die Statik nachzuberechnen. Ihr redet mit, weil ihr in diesem Haus wohnt. Mit genau der Selbstverständlichkeit, wie ich als Bewohner eines Hauses, oder als der Bauherr Wünsche äußern kann, kann ich auch hier über Europa sprechen. Sie sollen sagen: Wir sind nicht repräsentativ, aber wir sind eine ganz interessante bunt zusammengemischte Gruppe und wir haben uns jetzt fünf Tage Arbeit gemacht, und was wir jetzt sagen ist es wert, gesagt zu werden.


Doku-Team: Wer wird das hören? Gibt es den Ansatz, das ganze nach außen zu bringen?

Frank:Wir werden die Ergebnisse zusammenfassen, wir werden sie an die Leute im Konvent, die deutsch sprechen schicken, wir werden sie an den Bundestag schicken und auch an die Europaparlamentarier. Wir werden sie im Internet veröffentlichen. Trotzdem bin ich Realist genug, zu sagen, dass unsere Ergebnisse die Entwicklungen nicht wesentlich beeinflussen werden.

Doku-Team: Was versprichst Du Dir dann von der Veranstaltung?

Frank: Die allgemeine Erwartungshaltung bei so etwas ist sehr niedrig, denn selbst wenn nichts dabei herauskommt, sagen immer noch alle "das war aber ganz toll". Aber interessante Ideen, wenn sie einmal ausgesprochen sind, finden ihren Weg, auch wenn sich irgendwann nicht mehr nachvollziehen läßt, wo sie herkommen. Ich habe es schon oft erlebt, dass wir Leute aufgeweckt haben. Die Leute gehen doch anders nach Hause, gerade wenn es gelingt, ihnen klarzumachen: Europa ist etwas, was mich ganz persönlich betrifft, was meinen Alltag, mein Leben beeinflusst. Es gibt oft eine Art Schneeballeffekt. Wir haben auch Leute dabei, die aus früheren Veranstaltungen eigene Projekte gestartet haben. Vielleicht hätten sie irgendwann den Anstoß von jemand anderem bekommen, es war ja fruchtbares Land.

Doku-Team: Das stellt hohe Ansprüche, gerade an das Präsidium und die Sprecher. Wird das gutgehen?

Frank: Ich bin bei solchen Gelegenheiten von den Leuten immer positiv überrascht worden und traue mich immer einen Schritt weiter vor. Wenn man es schafft, keine Netzwerke im Raum zu haben, die unbedingt ein bestimmtes Ergebnis herbeiführen wollen, unbedingt einen aus ihrer Gruppe im Präsidium sehen wollen, dann picken die die richtigen raus. Und dann hat man oft Leute vorn sitzen, die sich nicht automatisch in den Vordergrund drängen. Wenn die Leute lange genug zusammen arbeiten und diskutieren, dann kommen plötzlich Leute aus der Versenkung, von denen man das eigentlich nicht erwartet. Das sind natürlich hohe Erwartungen. Aber für mich hängt das mit dem Selbstverständnis der gesamten Veranstaltung zusammen. Wenn diese jungen Leute mit diesem Selbstverständnis hier her kommen um zu diskutieren, dann gibt niemand uns das Recht, auszuwählen. Wichtig ist es, ein Verfahren zu finden, diese Leute nicht zu überfordern, ihnen also ganz klare Regeln an die Hand zu geben, eine Balance schaffen.

Doku-Team: Welche Sachen haben Dir am Jugendkonvent in Brüssel nicht gefallen?

Frank: Ich denke er war so organisiert, dass er nicht zu einem vernünftigen Ergebnis führen konnte. Wenn ich eine Veranstaltung mache, die sich in so kurzer Zeit abspielt, während dieser Veranstaltung die Leute noch einen Tag nach Brügge karre und zwinge, einen Tag dem anderen Konvent zuzuhören und ihre Zeit in der sie effektiv arbeiten können soweit reduziere. Wenn ich drei Arbeitsgruppen mit je 70 Leuten bilde, wie soll das funktionieren? Die zweite ganz große Schwäche ist die Art, wie die Teilnehmer rekrutiert wurden. Oft wurden einfach nur die JuSo-Vorsitzenden angerufen. Da kommen dann die Leute, die immer dabei sind, die in keinster Weise repräsentativ sind für die Jugendlichen in Europa. Auch das Verhalten der Jugendlichen fand ich enttäuschend. Sie haben sich den Organisationen untergeordnet. Ich habe auch den Eindruck, dass der Konvent selbst nicht zufrieden war. Die Presse war ja auch nicht sehr gnädig. Aber im Prinzip interessiert es keinen, was da passiert ist. Die Idee für unsere Veranstaltung ist gerade auch entstanden im Gespräch mit mehreren Teilnehmern dieses Konvents in Brüssel.

Jana

 

Letzte Aktualisierung: 24.05.2005
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