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Fazit

Das Konzept ist aufgegangen

Das folgende Fazit des Projektleiters Frank Burgdörfer gibt seine eigene, in wesentlichen Punkten aber auch die Sicht des Organisationsteams wieder.

Der Genitiv im Veranstaltungstitel war nicht zufällig gewählt - wir wollten ausdrücklich einen Europakonvent junger Bürgerinnen und Bürger (und nicht etwa einen Europakonvent für junge Bürgerinnen und Bürger) realisieren. Die Schwierigkeit in der inhaltlichen Betreuung bestand darin, beim Einstieg in die jeweilige Thematik zu helfen, soweit möglich Unterstützen zu geben, die Verantwortung für Verlauf und Ergebnis jedoch möglichst früh den Teilnehmenden zu überlassen.

Unser Konzept ist aufgegangen. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen sowie die Abschlussresolution sprechen für sich: Es wurden interessante Diskussion geführt und trotz aller Kontroversen sinnvolle, überzeugende und überdenkenswerte Ergebnisse formuliert.

Gerade für uns war dabei die Fähigkeit des Konvents zur "demokratischen Selbststeuerung" eine wunderbare Erfahrung. Nach der notwendigen und unausweichlichen Krise, die kommen muss, wenn eher unvorbereitete und unerfahrene Personen die Leitung einer Debatte mit über einhundert Teilnehmern übernehmen (und von diesen auch erst einmal respektiert werden müssen), wuchsen die drei Mitglieder des Präsidiums im Lauf des Tages über sich hinaus.

Doch fast noch beeindruckender war, wie zur Optimierung der Arbeitsabläufe im Verlauf der Plenardebatte alle 10 Mitglieder des erweiterten Präsidiums eingebunden wurden, wie konstruktiv, geräuschlos und vertrauensvoll alle (trotz vorheriger Kampfkandidaturen untereinander!) zusammenarbeiteten. Das Organisationsteam wurde nicht mehr gebraucht und auch von den Teilnehmenden garnicht mehr angesprochen - aus unserer Sicht ein großer Erfolg.

Auch im Plenum kamen im Verlauf des Tages nicht wenige unverhoffte Talente zum Vorschein. Die Regeln, die der Europakonvent sich selbst auferlegt hatte, erlaubten zu einzelnen Details jeweils nur zwei kurze Plädoyers: Die Erläuterung des jeweiligen Antrages und eine kurze Widerrede. Den Argumenten zu lauschen und die rhetorischen Fähigkeiten zu beobachten, war ein Vergnügen.

Die Tatsache, dass der Präsident Belgier war und nach eigener Einschätzung "nur Kartoffeldeutsch" sprach, mag auch auf viele ausländische Teilnehmer ermutigend gewirkt haben. Insgesamt fällt jedoch auf, dass die Veranstaltung von deutschen Teilnehmern dominiert wurde. Aufschlussreich ist, dass gerade das Bestreben erfolglos blieb, die von der Arbeitsgruppe "Nachbarschaft" formulierten Möglichkeiten und Interessen der erweiterten Union gegenüber ihren Nachbarn in der Schlussresolution unterzubringen. Gerade hier wäre es darum gegangen, über den üblichen Horizont hinauszudenken. Die Osteuropäer hatten sich hierfür intensiv eingesetzt, blieben in ihrer Intention jedoch auch wegen des Zeitdrucks unverstanden.

Eine Minderheit der Teilnehmer war bis zum Ende der Veranstaltung nicht davon zu überzeugen, dass der Europakonvent weder eine Expertenveranstaltung noch eine Art Simulation des Europäischen Konvents sein konnte und dies mehrheitlich auch nicht wollte.

Uns Organisatoren ist an diesem Punkt einmal mehr klar geworden, wie schwer es nach wie vor fällt, von "Europa" als etwas jeden persönlich Betreffendem zu sprechen und klare eigene Positionen zu formulieren und zu vertreten. Offenbar ist selbst bei jungen Menschen die Neigung groß, die Diskussionen von Politikern und Experten nachzuvollziehen und zu wiederholen, wo doch die eigene Meinung, die eigenen Befürchtungen, Hoffnungen und Erwartungen weitaus interessanter und wichtiger sein könnten.

"Ich will", "ich fürchte" oder "meiner Meinung nach" - diese Formulierungen gehen mitunter gerade denen am wenigstens über die Lippen, die sie am ehesten vermeiden können, weil sie am meisten vermeintliches "Faktenwissen" rezitieren können. Dies spricht dafür, sich bei derartigen Veranstaltungen noch mehr um eine Erhöhung des Anteils von Nicht-Juristen und Nicht-Politologen zu bemühen. Auch werden wir weiter daran arbeiten müssen, noch bessere Bedingungen dafür zu schaffen, dass sich junge Menschen in ihrer Rolle als Bürgerinnen und Bürger selbstbewusst zu Wort melden, wenn es um Europa geht.

Somit bleibt - trotz des insgesamt positiven Fazits - eine ganze Menge an Dingen, die bei künftigen Projekten konzeptionell weiterentwickelt werden sollten. Doch ungeachtet dessen: Der Europakonvent war für alle Beteiligten, für die Teilnehmer aber auch für das Organisationsteam, eine wertvolle und gute Erfahrung. Dafür, dass er möglich war, möchte ich auch an dieser Stelle allen Projektpartnern danken.

Frank Burgdörfer, Projektleiter

Letzte Aktualisierung: 24.05.2005
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